Nachtleben in Malaga, Marbella, Benalmandena, Torrox und Nerja

Ein Streifzug durch die Kneipen und Vergnügungsviertel der Provinz Málaga CSN / Marbella&Málaga

Sommer an der Costa del Sol - da lassen Einheimische und Besucher die Nacht zum Tag werden. Ob im feinen Puerto Banús, im quirligen Hafenviertel von Benalmádena, in der Altstadt der Provinzhauptstadt oder in den östlichen Gemeinden Torre del Mar und Nerja: Bei der Riesenauswahl an Sommer-Terrassen, Disco-Bars, Kneipen und Diskotheken ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die CSN-Mitarbeiter Dominik Bloedner, Christian Seelos und Isabelle Wiedemeier haben sich die Nacht um die Ohren geschlagen und die unterschiedlichen Ausgehviertel der Provinz unter die Lupe genommen.

Marbella: Gedränge in Puerto Banús
Freitagnacht auf dem Weg ins Vergnügen. In Marbellas Nobelhafen Puerto Banús beginnt genauso wie in den anderen Küstenorten die richtige Nacht erst weit nach Mitternacht. Das Auto wird in einem der zahlreichen Parkhäuser abgestellt. Gratisparkplätze gibt es eigentlich nur an der Avenida de las Naciones Unidas bei der Einfahrt. Und die Polizei schleppt oft und gerne ab. Vor allem Autos mit ausländischen Kennzeichen.
Los geht's in den Gassen zwischen der Avenida de Ribera und dem Hafen. Ein Irish Pub am anderen, dazwischen auf amerikanisch gemachte Sportbars, Döner-Läden und die eine oder andere spanische Kneipe. Die vorherrschende Haarfarbe ist blond, die Amtssprachen Englisch, Dänisch und Deutsch. Manch eine der oft leicht bekleideten Kellnerinnen blicken einen mit großen Kulleraugen an, wenn man sein Fünf-Euro-Bier auf Spanisch bestellt: „What?!" Ab etwa ein Uhr in der Nacht kommt man nur noch im Schneckentempo voran. Ganz Manchester hat Ausgang und verbrüdert sich mit anderen trinkfesten Urlaubern aus Liverpool, Dublin, Solingen oder Kopenhagen.
Weiter geht es an den Hafen. Denn dafür ist Puerto Banús ja berühmt. Sehen und gesehen werden. Mehr noch als an anderen Sporthäfen der Küste. Die Reichen und Schönen genießen es, sich von den weniger reichen und schönen Passanten beim Abendessen auf der Luxusyacht anstarren zu lassen. Der eine oder andere Ferrari oder Rolls-Royce schiebt sich gemächlich durch die Menschenmassen. Man muss schließlich gerade jetzt etwas Wichtiges mit dem Auto erledigen. Die Rolex-Uhr baumelt wie selbstverständlich lässig aus dem Wagenfenster. Mercedes oder BMW fahren hier allenfalls die Putzfrauen, möchte man meinen. Oder die durchgestylten Sprösslinge der Ferrari-Fahrer.

Sinatra ist der Treffpunkt
Die Copa nimmt man in der Sinatra-Bar direkt am Hafen. Hier steppt der Bär. Wenn er denn Platz zum Steppen finden würde. Die lange Schlange vor dem Klo ist der ideale Treffpunkt, um blonde Teenager aus Hamburg nach ihrem Alter zu fragen. Oder ob sie schon einen festen Freund haben. Aber eigentlich ist das egal in einer Nacht in Puerto Banús. Oder man macht juwelenbehangenen Mittvierzigerinnen whiskeyschwangere Komplimente. Auch frau kann auf ihre Kosten kommen. Vorausgesetzt, sie steht auf in die Jahre gekommene Gigolos oder auf den sonnenverbrannten Jetset-Nachwuchs. Ab vier Uhr geht es dann weiter. Frühestens. Von den Copa-Bars wie dem Sinatra in die richtigen Discotheken. Das Dreamer's bei der Shell-Tankstelle ist nur einen Steinwurf entfernt, das Comedia gleich um die Ecke. Und wer sich es noch zutraut und das nötige Kleingeld dabei hat, fährt mit dem eigenen Auto - Taxis fahren selten bis nie - in die Promi-Disco von Olivia Valere an der Straße nach Istán. Fünf Jahre gibt es den Laden schon, gerade wurde aus diesem Anlass ein rauschendes Fest gefeiert. Und wenn man Glück hat, taucht irgendwann einmal Gunilla von Bismarck auf. Oder man fährt in die diesen Sommer neu eröffnete Discothek Home an der N-340 oder noch weiter in die Disco vom Fünf-Sterne-Hotel Don Carlos.

Malaga: Malagueños gehen im Sommer nach Benalmádena
Ortswechsel zum Jachthafen in Benalmádena-Costa. Hierhin verlagert sich im Sommer ein Großteil des Nachtlebens der Provinzhauptstadt. Wer sich die etwas teureren Kneipen und Discos im Hafen leisten kann, lässt sich hier eine frische Brise um die Nase wehen. Auf einer der vielen Sommer-Terrassen oder zumindest beim häufigen Standortwechsel von einer Disco-Bar in die andere.
Breitschultrig säumen José und Juan den Eingang zum Maracas. Porteros, Türsteher, sind wichtig im Partyleben. Vor allem aber sehen sie wichtig aus: Knopf im Ohr für die Verständigung mit den Kollegen, die schwarze Einheitstracht betont den Ernst der Sache. Dabei trägt Juan ein breites Grinsen zur Schau: „Hier im Maracas geht es ruhig zu, zumindest in Bezug auf Stress und Prügeleien." Ansonsten kann man das nicht behaupten, denn schon am Eingang staut es sich. Jeder bekommt eine Teilnahmekarte für das Gewinnspiel in die Hand gedrückt. Ein T-Shirt für die chica und Bade-Shorts für den Herrn mit dem Emblem einer Whisky-Marke locken. Das Spielchen trägt über anfängliche Schüchternheit hinweg und sorgt schon für erste Kontakte. Denn darum geht es schließlich: „Ich langweile mich nie in meinem Job, es gibt doch viele gut aussehende Mädels", bestätigt Juan. In der Zona Puerto, dem Ausgehrevier am Sporthafen von Benalmádena, ist das nicht anders als anderswo. Das Maracas ist einer der größeren Schuppen hier. Drei Tanzflächen, jede Menge Bars und die Sommerhits in voller Lautstärke: Das hilft beim Anbändeln, denn wenn man jeden Satz dreimal ins Ohr schreien muss, geht der Gesprächsstoff nicht so schnell aus.

Lustige Strohhalme und gesprächige Jungs
An die Bar im La Cubana locken erst mal die langen bunten Strohhalme mit lustigen Figuren drauf. Eine große überdachte Terrasse mit runder Bar in der Mitte, bunte Lichtspiele sorgen für Frohsinn. Die Musik unterscheidet sich höchstens in der Reihenfolge der Titel von anderen Locations - éxitos del verano, Sommerhits, sind eben angesagt. Flamenco und Salsa-Rhythmen sollen die Hüften schwingen lassen, und bei den Texten fällt auch Nicht-Spaniern das Mitgrölen kaum schwer. Getanzt wird allerdings eher sporadisch, die Kommunikation, so schwer sie auch fällt, ist das A und O. Zum Tanzen allein kommt keiner an den Sporthafen.
Die typischen buitres - sehen wir etwa so aus?" Salva tut empört. Ein Buitre ist ein Geier, im Jargon der Partywelt ein junger Mann, der sich ohne Rücksicht auf Verluste auf jede chica stürzt. „Guck dir die an, wenn du buitres sehen willst!" Salvas Kumpel Carlos weist auf eine Gruppe, in der die Jungs um die Mädels herumtänzeln und im Gespräch stets die Möglichkeit finden, sie irgendwo anzutatschen. Aber auch Salva und Carlos lassen sich nicht davon abhalten, für die Mädels eine copa (Longdrink) nach der anderen anzuschleppen. Alles andere wäre unter spanischer Männerwürde. Im echten Leben ist Carlos Anwalt beim Roten Kreuz, und Salva hat einen lukrativen Job bei einem Internet-Musikunternehmen. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit: Salva wohnt in Torrox, Carlos verbringt dort seine Sommerferien. Wie viele Städter haben seine Eltern eine Wohnung am Meer, in der die Sommerzeit verlebt wird. Und die Abende gehören der marcha, dem Partyleben. Salva und Carlos haben fast die ganze Costa del Sol durch. „In Torrox ist nichts los. Torre del Mar ist nicht schlecht, wir fahren auch nach Fuengirola und Marbella." Aber Benalmádena ist zur Zeit Favorit: „Hier ist das beste Ambiente, viele Leute, und die Bars machen spät zu, so um fünf."

Botellón und chupitos Auch das großstädtische Nachtleben in Málaga beginnt meist nicht vor Mitternacht. Erste Anlaufstelle für viele Nachtschwärmer ist die Plaza de la Merced. Hier wird noch immer der viel diskutierte Botellón zelebriert. In Plastiktüten schleppen die Jugendlichen Becher, Eiswürfel und hochprozentige Getränke an, die dann gemeinsam mit Freunden konsumiert werden.
Auch auf der Plaza Mitjana in der Nähe der Calle Larios geht es hochprozentig zu. Allerdings genießen die größtenteils zwischen 25- und 35-Jährigen die feuchten Gaumenfreuden lieber aus Long-Drink-Gläsern aus einer der umliegenden Cocktail-Bars. Etwas ruhiger kann man sich auf das Nachtleben in der alteingesessenen Bodega El Pimpi in der Calle Granada einstimmen. Der süße Málaga-Wein wird hier ausschließlich in Flaschen serviert und hat schon allerlei Prominenz in das urige Weinlokal gelockt. Zwischen zwei und drei Uhr strömen die Partyhungrigen dann in die über die ganze Altstadt verteilten Bars. Dort geht es meist recht eng, heiß und laut zu. Sitzgelegenheiten sucht man vergebens. Es wird getanzt statt getrunken - mit einer Ausnahme: das Todo 100 in der Calle Rámon. Aus einer der etlichen Schnapsmischungen, die über sämtliche Wände verteilt angepriesen werden, sucht man sich seinen Chupito (von chupar: lecken) aus, der dann in einem Zug getrunken wird. Der Preis: früher 100 Pesetas, heute 0,60 Euro.
Beliebter Anlaufpunkt besonders für ausländische Studenten und junge Urlauber ist das Liceo in der Calle Beatas. Bei internationaler Chartmusik wird hier auf zwei Etagen in historischem Gemäuer getanzt und geflirtet. Wenige Meter weiter befindet sich eine der wenigen Bars, in der sich die Plattenteller im elektronischen Rhythmus drehen: das Level. Etwas alternativer geht es im Abisinia, ebenfalls in der Calle Beatas, und in den Kneipen rund um die Plaza San Pedro de Alcántara zu, zum Beispiel im Zepelin. In den meisten anderen Bars werden die Hüften zu spanischen und lateinamerikanischen Rhythmen bewegt, so etwa im Salsa an der Plaza Uncibay oder im La Habana in der Calle Granada. Und wenn die müden Beine noch tragen, geht es in den Diskotheken Cosa Nostra in der Calle Convalecientes oder im Gabana in der Avenida de Colón bis zum Morgengrauen weiter.

Torre del Mar: Eher für jüngeres Publikum
Ebenfalls bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wird rund 50 Kilometer weiter östlich in dem beliebten Urlauberort Torre del Mar. Das Nachtleben konzentriert sich dort rund um die Ausgehzone El Copo. Direkt an der Strandpromenade gelegen, häufen sich unzählige Bars, in denen sich vor allem sehr junges Publikum und partyfreudige Urlauber amüsieren. Die Getränke sind verhältnismäßig günstig und überall wird getanzt bis zum Umfallen.
Auf der dem Meer zugewandten Seite des Viertels sind zumindest einige Partygänger anzutreffen, die die Volljährigkeit bereits erreicht haben. In den Bars El Monasterio und Opera sorgen aktuelle Hits, aber auch musikalische Erinnerungen an die 80er und 90er für beste Stimmung. Wenige Meter weiter, entlang der Strandpromenade, geht es gediegener zu. Im Stars gibt es regelmäßig Livemusik zu hören, und wer lieber einen leckeren Cocktail bevorzugt, lässt sich auf der großen Terrasse des Garibaldi nieder.

Nerja: Rund um den Tutti Frutti
In Nerja verschiebt sich die Geschäftigkeit des Zentrums in den Nachtstunden in Richtung der Plaza Tutti Frutti und der Calle Antonio Millón im Westen der Stadt. Ab Mitternacht füllen sich die Tische vor den zahlreichen Bars. Von der Avenida Castilla Pérez kommend, strömen die Nachtschwärmer in die Calle Antonio Millón und lassen sich gleich in den ersten Läden nieder. Vor allem die Plastikstühle vor dem Bajamar und dem Riverboat sind schnell besetzt. Schräg gegenüber lockt das Zigamar mit hölzernen Stehtischen und stilvollem Ambiente. Lauter wird es hingegen im Tijuana, aus dem dumpfe House- und Techno-Rhythmen schallen. Cocktails gibt es im Kangaroo, Chupitos werden, wie der Name schon sagt, in der Chupitería über den Tresen geschoben.
Die Bars auf der Plaza Tutti Frutti sind größer und eher zum Tanzen geeignet, zum Beispiel The Bays, Eskape oder La Buena Sombra. Von Chartmusik, über Latino, Elektro bis Funk finden hier alle Partylustigen etwas nach ihrem Geschmack. Um ein Uhr öffnet das Jimmy, der beliebteste Tanzschuppen der Stadt. Der Disco ist anzusehen, dass hier bereits in den 80er Jahren das Tanzbein geschwungen wurde. Trotzdem ist der Laden fast immer voll. Aus den Boxen dröhnen die aktuellen Sommerhits, und auf der Tanzfläche wird kräftig geflirtet. Auch im Theba's an der Plaza Tutti Frutti, dem Narixa in der Calle Tajillo und dem Club Castillo in der Calle Diputación wird bis in den frühen Morgen getanzt, geflirtet und gefeiert. Feierabend ist überall an der Küste dann, wenn die ersten Urlauber mit ihrem Hündchen die Runde drehen oder die ersten Familien voll bepackt an den Strand ziehen. Den Partygästen bleiben immerhin noch einige Stunden am späten Abend, um etwas Strandleben zu genießen. Bevor das Nachtleben erneut beginnt.